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Ausgabe 14 / Ohne KI-Label = Echtheitszertifikat?
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Hallo Freund,
Welcome back. Wie steht’s mit dir? Welchen Unterschied macht es für dich, ob du ein echtes Foto oder ein KI-generiertes Bild siehst? Wie wichtig ist dir die entsprechende Kennzeichnung?
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Anfang Oktober waren Stephanie und ich in der Fahey/Klein Galerie, North La Brea Avenue in Los Angeles. Dort sahen wir unter dem Titel The School of Los Angeles Fotografien dreier Fotografen, die in den späten Siebzigern in Südkalifornien Fuß fassten: Herb Ritts, Greg Gorman und Matthew Rolston. Die Galerie fasst sie in drei Wörtern zusammen: Ritts idealisierte, Gorman enthüllte, Rolston verwandelte. Ritts machte Menschen mit klassischer Form, kalifornischem Licht und leeren Hintergründen zu Archetypen. Gorman rückte so nah an sie heran, dass die Person unter dem öffentlichen Bild sichtbar wurde. Rolston baute das Porträt als Bild, statt es als Aufzeichnung einer Identität auszugeben.
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Unverstellt ist keines dieser Bilder, und doch glaubt man ihnen, ohne entsprechendes Label. Weil die Menschen vor und hinter der Kamera Augenzeugen waren.
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Ohne KI-Label = Echtheitszertifikat?
Wirklich beglaubigen kann es nur, wer dabei war.
Das Echte bleibt gefragt, besonders dort, wo der gute Ruf auf dem Spiel steht. World Press Photo, der bekannte Wettbewerb für Pressefotografie: Wer in die engere Auswahl kommt, muss die Originaldatei aus der Kamera nachreichen. Gutachter vergleichen sie mit dem eingereichten Bild. Bei den Hasselblad Masters stand im Frühjahr ein KI-Bild unter den siebzig Finalisten, ausgewählt in einer internen Abstimmung. Kommentatoren im Netz bemerkten es sofort nach der Bekanntgabe. Hasselblad schloss den Fotografen aus. Beim Nikon-Wettbewerb für Mikroskopie-Videos meldeten Forscher Zweifel am Gewinnervideo. Im Oktober entzog Nikon den ersten Preis. In beiden Fällen fiel es zuerst einem Menschen auf und nicht etwa einem Online-Tool, das zu Prüfzwecken eingesetzt wird.
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Seit dem 2. August müssen Unternehmen und Influencer KI-Bilder, die echt wirken können, sichtbar kennzeichnen. Der Innungsmeister der oberösterreichischen Berufsfotografen erklärt in einem Beitrag auf den Seiten der Wirtschaftskammer das fehlende Label zum Gütesiegel und nennt die Pflicht die größte Aufwertung echter Fotografie seit Jahren. Für den Beleg rät er zu so genannten Content Credentials, signierten Herkunftsdaten direkt aus der Kamera.
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Was kein Label trägt, muss echt sein?
So einfach ist es eben leider nicht. Anfang Oktober hat Google einen Detektor für SynthID freigegeben, das unsichtbare Wasserzeichen seiner KI-Bilder, das inzwischen auch OpenAI, Nvidia und Kakao nutzen. Die Faktenprüfer von Full Fact legten fünf Fotos britischer Politikerinnen und Politiker vor, die alle versichern, ihre Bilder seien unbearbeitet. Der Detektor meldete jedes davon als mit Google-KI erstellt oder bearbeitet. Mutmaßliche Fehlalarme, schreibt Full Fact, denn eine kleine KI-gesteuerte Korrektur lässt sich nie ganz ausschließen. Google zog ein Update vor, seither steht bei den fünf Bildern „unsicher“. Ein weiteres Foto aus einem Pflegeheim, bei dem die Abgeordnete jeden KI-Einsatz bestreitet, markierte der Detektor auch nach dem Update noch als KI. Auf der anderen Seite räumt Google selbst ein, dass ein Bild ohne Markierung von einem anderen KI-System stammen kann. Der Detektor liest nur das eigene Zeichen. Er kann sagen, dass ein Bild durch ein bestimmtes Modell gelaufen ist, zu allem anderen schweigt er. Ein fehlendes Label ist demnach eine fehlende Auskunft, ein vorhandenes manchmal auch.
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Das unheimliche Tal
Bleibt unser menschliches Auge. Wie lange fällt es ihm wohl noch auf, wenn etwas nicht stimmt? Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle über das unheimliche Tal (Uncanny Valley Effect) geschrieben, jenes Unbehagen, das uns vor Gesichtern warnt, die fast menschlich sind und das aber doch nicht ganz. Mein Eindruck heute: Es flacht ab, wir gewöhnen uns. Eine Studie der Universität Mailand-Bicocca sieht das Tal sogar als durchschritten. Die Probanden hielten KI-Gesichter für attraktiver, vertrauter und vertrauenswürdiger als echte, während ihre Hirnströme den Unterschied weiter verzeichneten. Der Instinkt, den ich in Ausgabe 2 als letzte Bastion wähnte, wird zum unsicheren Zeugen.
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Wer ein Foto wirklich beglaubigen kann, steht an anderer Stelle. Das Zertifikat, nach dem der Markt gerade sucht, hat ein Gesicht und zwei Namen: den des Menschen vor der Kamera und den des Menschen dahinter. Wer beide kennt, braucht kein Label.
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Wer hat’s geschrieben?
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Ums gleich vorweg klarzustellen: So klar ist es nicht.
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Marie sitzt im Gras und schreibt mir während unseres Shootings etwas auf. Poesie. Der Stift schwebt über dem Papier, das Licht streift die Seite, und ein Denken, das sich noch nicht sicher ist, darf sich Zeit lassen. Genau deshalb ist es schön. Wer hat’s geschrieben? In einem Post fragte neulich jemand, wer denn das Copyright habe, wenn er die KI Textvorschläge schreiben lässt und anschließend selber hier und da noch das ein oder andere anpasse. Ich würde sagen, Claude und ich gemeinsam? Da stellt sich sicher gleich die nächste tiefgründige Frage: Kann ein künstliche Intelligenz ein Copyright besitzen?
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Den Text, den du in dieser Newsletter-Ausgabe liest, habe ich nicht allein entworfen und geschrieben. Außer diesem andersfarbigen Teil hier. Ich bat Claude.ai heute erneut darum, aus meinen Texten zu lernen. Zu lernen, wie ich schreibe. Und das ist oft — na, ich sage mal unkonventionell. Sprunghaft manchmal. Würde ich meine Gedanken aufschreiben, so wie sie kommen und gehen, müsste ich Zeilen übereinander schreiben oder durcheinander.
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Claude darf noch viel üben
Wird Claude meine Schreibe irgendwann perfekt beherrschen? Keine Ahnung. Ich tendiere zu „Ja, irgendwann sicher“.
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Witzigerweise habe ich vor kurzem das Schreiben mit der Hand wieder für mich entdeckt.
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Eine Studie aus Norwegen hat 2024 gemessen, was mich nun zusätzlich motiviert, auch weiterhin mit der Hand zu schreiben: Beim Schreiben mit der Hand vernetzen sich bei 36 Studierenden die Hirnregionen dichter als beim Tippen, darunter solche für Gedächtnis und Lernen. Für lange Texte, sagt die Forscherin selbst, ist die Tastatur praktischer.
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Sinnvoll ist meiner Erfahrung nach folgende Arbeitsteilung: Die Hand denkt beziehungsweise hält Gedanken am schnellsten fest, zeitlich ist sie dem Gedanken am nächsten. Verwende ich zuerst die Tastatur, um einen Gedanken niederzuschreiben, klingt er bereits anders und weniger frisch als aus der Hand.
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Welche Rollen nimmt die KI hier ein?
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Für mich momentan zwei. Entweder gebe ich ihr einen Text in Auftrag, einen Newsletter Artikel zum Uncanny-Valley-Effect zum Beispiel, oder — und das mittlerweile eigentlich immer — die abschließende Kontrolle. Das, was früher die Deutschlehrerin mit den Klausuren machte. Ausdruck, Kontextfehler, Grammatik, Rechtschreibung ...
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Welche Rolle wann dran ist, entscheide ich.
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Wer der KI einen Text in Auftrag gibt, kann beim Formulieren viel richtig machen. Sonja Greye, Fractional CMO und Dozentin für KI im Marketing, hat dazu einen Praxisleitfaden geschrieben. Ihre Beobachtung: Die neuen Claude-Modelle nehmen jedes Wort ernst. Was du ausdrücklich sagst, wird eng ausgelegt, was du offen lässt, füllt das Modell nach eigenem Ermessen. Ziel, Zielgruppe, Format und Länge dürfen deshalb genau sein, den Weg dorthin überlässt du besser dem Modell. Auch Beispiele eigener Texte tragen mehr als jede Stilbeschreibung, und genau das geschieht, wenn ich Claude aus meinen Texten lernen lasse. Neun Seiten, Vorlagen zum Kopieren, mit Quellen belegt: Zum Leitfaden von Sonja Greye
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Mein Text. Mein Co-Writer. Mein Stil.
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So würde ich meinen Ansatz zusammenfassen. Wenn dich meine Herangehensweise im Detail interessiert, lass uns jederzeit sprechen. Unverbindlich.
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Limited Edition „Frag, von wem die Blumen sind.“
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Nummer 4 ist verfügbar. Alu-Dibond über WhiteWall, 75 mal 100 cm, mit Echtheitszertifikat, signiert von Karolina Forster und mir. Antworte einfach auf diese Mail, wenn du Interesse hast. Alle Details auf fine.rayhen.art.
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Bleib mir treu ❤️
Treue beginnt im genauen Hinsehen, im stillen Zuhören und mit Fragen ohne Erwartung.
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Schreib mir deine Gedanken, wenn du magst.
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