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Das unheimliche Tal

Herzlich willkommen zur Ausgabe 2 und ein großes Dankeschön für das wunderbare Feedback zur Erstausgabe.


Wahnsinn, was sich alles tut in einem Monat – besonders in Sachen KI.
In Ausgabe 1 hatte ich versprochen, das Geheimnis um den ENDGEGNER zu lüften. HERE WE GO!

Ausgabe 2 / Das unheimliche Tal

Der Uncanny Valley-Effekt

Es gibt diesen Moment, in dem uns etwas zunächst vertraut vorkommt – und dann plötzlich fremd ist. Ein Gesicht, ein Lächeln, ein Blick, der fast menschlich wirkt. Fast. Genau da öffnet sich das sogenannte Uncanny Valley (das unheimliche Tal). Je ähnlicher eine künstliche Figur dem Menschen wird, desto größer zunächst unsere Sympathie.

Doch sobald sie zu nah dran, aber nicht ganz echt ist, kippt das Gefühl. Unser Instinkt spürt, dass etwas nicht stimmt – ein Schatten im Blick, ein Hauch von Kälte. Menschenähnliche Roboter mit zu glatter Haut. CGI-Figuren mit toten Augen. KI-Porträts, perfekt, aber seelenlos. Das Uncanny Valley erinnert uns daran: Echtheit ist kein Look, sondern etwas, das wir spüren – oder eben nicht.

Ein Gefühl. Das berühmte Bauchgefühl.
Grafik zum Uncanny Valley Effekt
Quelle/Grafik: ChatGPT

Wissenschaftlich ausgedrückt

Der Uncanny Valley-Effekt (englisch Uncanny Valley, deutsch „Unheimliches Tal“) beschreibt ein psychologisches Phänomen:
Wenn eine künstliche Figur (z. B. Roboter, CGI-Charakter, Avatar oder auch KI-generierte Bilder) dem Menschen immer ähnlicher wird, steigt zunächst die Sympathie oder das Vertrauen.
Aber – sobald die Ähnlichkeit fast perfekt, aber nicht ganz ist, empfinden viele Menschen plötzlich Unbehagen, Fremdheit oder sogar Ekel.
Das „Tal“ beschreibt also diesen plötzlichen Einbruch der Akzeptanz, bevor bei einer wirklich realistischen Darstellung (z. B. echte Menschen oder extrem überzeugende Simulationen) die Akzeptanz wieder steigt.
Typische Beispiele:
  • Humanoide Roboter, die fast wie Menschen wirken, aber unnatürlich starr oder „tot“ im Blick sind.
  • Computerspiel-Avatare oder CGI-Figuren in Filmen, die leicht künstlich wirken (z. B. die frühen Motion-Capture-Filme wie The Polar Express).
  • KI-generierte Gesichter, die zwar fotorealistisch erscheinen, aber kleine Auffälligkeiten haben (z. B. unnatürliche Augen oder Hauttexturen).
Die Ursache wird oft in unserer sozialen und evolutionären Wahrnehmung gesehen: Unser Gehirn erkennt minimale Abweichungen von „echtem Menschsein“ und interpretiert diese als „unnatürlich“, „krank“ oder „bedrohlich“.

Sollte ich auf LinkedIn ein KI-generiertes Profilbild verwenden?

KI Bild von mir vor einer Ausstellungswand stehend
Nein, das ist gefährlich! So vor kurzem eine Kollegin in einem flammenden Appell auf LinkedIn. Begründung: Der Uncanny Valley Effekt (siehe oben).

Ich denke, die Kollegin springt hier zu kurz. Grundsätzlich muss ich schon unterscheiden, ob das künstliche Profilbild es, erstens, darauf anlegt, täuschend echt, also naturgetreu zu sein oder ob es sich, zweitens, gezielt als künstlich zu erkennen gibt. Wie zum Beispiel beim bekannten Action Hero Meme.

Darum sage ich: Warum nicht?

Zu erstens – ja, da hat die Kollegin nicht ganz unrecht. Kann komisch rüberkommen oder gar abschrecken. Zu zweitens, warum nicht? Je nach Beruf, Mentalität etc. eine Option. Meiner Meinung nach.
KI Bild von mir als eingeschweißte Action Figur
KI Bild von mir als eingeschweißte Action Figur
Seit über einem Jahr mindestens arbeite und experimentiere ich nun schon mit KI-Modellen. Außer ChatGPT kommen diverse Bild-KI-Apps zum Einsatz. Ein paar hundert ’Fotos’ habe ich auf diese Weise sicher schon gemacht.
Fun Fact: Bei älteren Bildern frage ich mich oft, hab ich das geschossen oder die KI?

Wann ist etwas echt?

Diese Frage stelle ich mir – und meiner Leserschaft – in einem LinkedIn Post. Woran bemessen wir die Echtheit? Hier bezogen auf Bilder beziehungsweise Fotos. Wann ist ein Foto echt? Wenn es auf Film belichtet wurde, analog, mit Licht, Chemie und Geduld auf Papier gebracht? — Ganz ohne Photoshop?

Oder ist es echt, wenn es dich berührt? Ja? Dann ist ECHT ein Gefühl. Nicht mehr und nicht weniger.
Porträt von einem Model im Studio
Porträt von einem Model im Studio
Links oder Rechts, beziehungsweise Oben oder Unten? — Welches ist ’Das Echte’, im Studio entstandene Foto? Auflösung in Ausgabe 3.

Wer ist denn nun der KI Endgegner?

Ich muss gestehen, ich habe die Kraft der menschlichen Intuition als KI-Sicherheitskontrolle vor noch nicht allzu langer Zeit ziemlich überschätzt.

Die letzte Bastion, die uns davor schützen kann, dass KI-Inhalte beziehungsweise KI-gesteuerte Roboter in Menschengestalt uns uneingeschränkt täuschen können, ist unser Instinkt. Dieser wird allerdings immer häufiger ausgetrickst.

Der Schoßrinn — Wasserfall und Kraftort. Perfekt für dramatische Fotos

Aktfotografie am Schoßrinn Wasserfall
Wieder was gelernt. So ganz nebenbei. Von zwei Frauen, die uns beim Fotografieren ganz andächtig zusahen. Aber der Reihe nach.
Akt in der Natur. Am Wasserfall. Das wollte ich 2023 auch endlich mal ausprobieren. Ein befreundetes Model, Spezialistin für derart besondere Fotoprojekte und ich verabredeten uns also am Schoßrinn. Einem wunderschönen Wasserfall, den ich schon vor über 10 Jahren auf einer Wanderung bei Aschau im Priental zufällig entdeckt und auf meine Bucket List geschrieben hatte.

Wie unser Projekt ablief und was ich dabei gelernt habe, schreibe ich auf meiner FINE ART Fotografie Website.

Ab dem 15. Oktober. Helmut Newton
im Kunstfoyer:

Helmut Newton. Polaroids

15.10.2025 - 22.02.2026. Am Thierschplatz 6 im Lehel, wo das Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern in München vorübergehend beheimatet ist, werden Helmut Newtons Polaroids gezeigt.

Bis zum nächsten Mal

Vorschau auf Ausgabe 3, November 2025 — Du sollst nicht abbilden / KI und das Recht am eigenen Bild. – Links oder rechts? Die Auflösung, wie ich das Bildpärchen gemacht habe und mehr.

Ich freue mich über Dein Feedback. Schreib mir gerne oder ruf mich gerne an.

Vielen Dank fürs Lesen.